Umstellung von karnivorer Katzennahrung auf vegan

Manche Katzen sind in ihren Ernährungsgewohnheiten so fixiert, dass eine geplante Umstellung (gleich ob aus ethischen oder gesundheitlichen Gründen) zu einer herben nervlichen Herausforderung für alle beteiligten wird.

Plötzliche Nahrungsumstellung

Aus gesundheitlicher Sicht ist eine plötzliche Umstellung nicht zu empfehlen. Aus ethischer ist sie unumgänglich. Eine Plötzliche Umstellung stellt eine ziemliche Belastung für den Organismus dar, egal um welche Nahrung es sich handelt. Ganz besonders jedoch, wenn man von karnivore auf vegane Nahrung wechselt. Der Organismus ist gänzlich auf die bisher gereichte Nahrung eingestellt, so dass für die Verwertung der neuen Nahrung z. B. manche Enzyme in unzureichender Menge produziert worden sind. Uns Menschen geht es da nicht anders. Beginnen wir von Heute auf Morgen mit Rohkost (oder würden Fleisch essen), geriete unser Verdauungssystem erst einmal gänzlich aus der Bahn. So auch bei der Katze. Eine gesunde Katze übersteht dies natürlich, doch bleibt ein Risiko.

Bei Freigängern wurden bereits sofortige Umstellungen erfolgreich durchgesetzt, wobei hier der Katze die Möglichkeit gelassen wird, sich selbst zu versorgen.

Bei sofortiger Nahrungsumstellung ist zumindest mit heftigem Durchfall bei Katzen zu rechnen!

Sanfte Umstellung

Eine Schrittweise Umstellung der Nahrung ist wesentlich gesünder und schonender für den Magen der Katze. Wer es aus ethischen Gründen ablehnt, Fleisch zu kaufen, der hat zum Beispiel die Möglichkeit, im Supermarkt nach bald ablaufenden oder leicht beschädigten Dosen zu fragen. Wichtig ist dabei den Tierschutz zu erwähnen, da Privatpersonen aus Prinzip keine Restwaren bekommen und die Gründe für das “Leichenteile nicht kaufen wollen” auf gänzliches Unverständnis stoßen. Für manche ist auch das Containern eine akzeptable Möglichkeit auf ethische Weise an Tierleichen heran zu kommen.

Geschmacklicher Aspekt

Eine langsame Umstellung ist nicht nur gesünder, sondern auch angenehmer für die Katze. Ihre Geschmacksnerven können sich langsam an die neue Nahrung gewöhnen. Nach einer gewissen Umgewöhnungszeit schmeckt den Katzen die neue Nahrung häufig besser (oder zumindest genau so gut) wie die bisherige.

Hätten wir als Kinder schlecht zubereiteten Tofu1) zwangsweise vorgesetzt bekommen, wir würden diesen wohl kaum heute zu einem unserer Hauptnahrungsmittel zählen. Ungewohnte, seltsame Geschmäcker können bei Zwangsernährung zu einer radikalen Abneigung gegenüber diesem Lebensmittel führen. Viele Gemüse, die wir als Kind essen mussten, aber nicht mochten, sind uns häufig auch heute noch ekelerregend. Manchmal entwickelt sich gar eine extreme Abneigung mit körperlichen Folgen wie Übelkeit und Erbrechen. Katzen stehen dem nicht im Mindesten nach. Im Gegenteil, bei ihnen kommt zusätzlich die pure Entrüstung darüber hinzu, einfach etwas ungewohntes vorgesetzt zu bekommen.

Vorgehensweise

Für eine langsame Umstellung reicht es häufig, immer wieder einen Löffel neue Nahrung mehr der alten Nahrung unter zu mischen. Verweigert die Katze die Nahrung auch in geringen Mengen, versuche es mit einer anderen Sorte. Leidet die Katze trotz der langsamen Umstellung unter heftigem Durchfall, hilft es häufig, die Nahrung zu verändern, z. B. Soja durch Reis zu ersetzen. Es ist möglich, dass die Katze an einer Intolleranz gegen ein bestimmtes Lebensmittel leidet. Auch die Zugabe von Verdauungsenzymen kann besonders in der Umstellungsphase zur Unterstützung der Verdauung wichtig sein.

Verwöhnte Katzen, die aus geschmacklichen Gründen die Nahrung ablehnen, können über Wochen hinweg an die neue Nahrung herangeführt werden. Dazu immer wieder ein wenig mehr der neuen Nahrung hinzufügen und so gut vermischen, dass sie nicht von der Katze aussortiert werden kann. Natürlich könnte mit einer hohen Dosierung geschmacksintensiver Zusätze wie zum Beispiel Sojasauce ein zumindest annähernder Effekt erzielt werden wie den der Geschmacksverstärker und Lockstoffe in der konventionellen Nahrung, doch wäre dies auf Dauer nicht wirklich viel gesünder. Das Ziel sollte sein, die Geschmacksnerven der Katze langsam aber sicher zu normalisieren und sie für natürliche Nahrung zugänglich zu machen. Erst dann wird sie wieder echte Freude an den kleinen Leckerbissen (Wie Hefeflocken und co) im Speiseplan bekommen.

Umstellungshilfen

  • wenn möglich, mehrere Sorten gleichzeitig anbieten (z. B. selbst gekochtes, Vegusto, Ami, etc.)
  • gewohnte Rituale beibehalten (neue Nahrung unbedingt am gewohnten Platz, zur normalen Uhrzeit und vom gewohnten Teller anbieten, nicht plötzlich alles auf einmal verändern wollen)
  • dabei setzen und mit essen oder separat ebenfalls etwas essen
  • bereits vor dem Umzug in das neue Heim mit der Nahrungsumstellung beginnen, ein Umzug bedeutet schon genug Stress, da sollte möglichst nicht auch noch zeitgleich eine Ernährungsumstellung erfolgen
  • die Nahrung den geschmacklichen Vorlieben der Katze anpassen
  • Konsistenz der gewohnten Nahrung (zumindest Anfangs) möglichst imitieren (z. B. nicht sofort von reiner Trockennahrung auf Feuchtnahrung umstellen und umgekehrt)
  • Tricks und Geschmacksverfeinerungen: Katzen zum Essen animieren
  • Vitamin B, Vitamin C und Vitamin E wirken Appetitanregend, aber bitte nur ganz geringe Mengen zugeben! 2)
  • Geruchsanpassung: Es kann helfen, den Geruch der alten Nahrung und den der neuen anzugleichen, indem man z. B. schon vor der Umstellung zu jeder Mahlzeit Hefeflocken hinzu gibt und dieses anschließend beibehält. Hefe ist sehr gesund, lecker und geruchsintensiv und kann die Umstellung erheblich vereinfachen

Hunger

Hunger ist der beste Koch: Die Mahlzeiten vor der Umstellung etwas kleiner ausfallen lassen, so dass die Katze auch wirklich hungrig ist. Übersättigte Katzen essen oft nur das Leckerste und lassen alles andere stehen.

Tagelanges hungern lassen ist für Katzen gesundheitsschädlich. Eine kurze Fastenkur schadet nicht, aber Aushungern sollte die Katze auf keinen Fall!

Machtkampf

Die Umstellung der Nahrung sollte nicht in einem Machtkampf ausarten. Je mehr die Katze sich gestresst fühlt, um so dickköpfiger wird sie reagieren. Es ist sinnvoller, mit kleinen Tricks die Katze zu überlisten und ihr mit netten Gesten die neue Nahrung schmackhaft zu machen, statt ihr einfach den eigenen Willen aufzudrücken nach dem Motto: “Friss oder stirb”. Mit der richtigen Methode und dem nötigen Einfühlungsvermögen gelingt die Umstellung garantiert auch ohne Stress für die Katze.

Selbstbewusstsein

Ob man es glaubt oder nicht, sehr wichtig für eine erfolgreiche Nahrungsumstellung ist auch ein ausreichendes Selbstbewusstsein des Menschen. Wenn du weist was du tust, wenn du dir sicher bist und dich ausreichend informiert hast, spürt dies auch die Katze und lässt sich wesentlich leichter überzeugen. Haderst du hingegen mit dir selbst und bist unsicher, wird auch hier die Katze entsprechend reagieren und deine Befürchtungen auf ganzer Linie “bestätigen”. (in der Psychologie nennt man dieses Phänomen “selbst erfüllende Prophezeiung”; rede dir ein, dass du etwas nicht kannst, und du wirst es tatsächlich nie erreichen.)

Geduld

Die wichtigste Grundlage sind gute Nerven und Geduld. Es gibt Katzen, die setzen einem einen Haufen in den Schuh hinein, wenn sie nicht ihre Lieblingsspeise bekommen. Andere wiederum treten in einen radikalen Hungerstreik. Unsere Erfahrung ist jedoch, wenn man kein großes Geschiss um die Sache hält, ist die Umstellung überhaupt kein Problem.

Grundvoraussetzung für das Gelingen einer Nahrungsumstellung ist Geduld, Einfühlungsvermögen und Großmut!

Bei Problemen nur nicht aufgeben und nicht verzweifeln! Es gibt immer noch eine neue Möglichkeit!

...und wenn du eine findest, die wir noch nicht gelistet haben, dann wären wir dir alle sehr dankbar, wenn du uns deine Erfahrungen mitteilst.

Quellen und weitere Informationen

Unterstützung

Gerne kannst du dich bei Fragen, Kritik und Anregungen an uns wenden:

Aber auch du kannst uns unterstützen. Dokumentiere die Nahrungsumstellung der bei dir lebenden Katze und schick uns einen Erfahrungsbericht. Wie auch du werden viele froh sein, aus den Erfahrungen anderer lernen zu können.

Quellen

Neben eigenen Erfahrungen haben wir viel Wissen aus verschiedensten Büchern sammeln können:

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1) Wer noch nie Tofu zubereitet hat, wird wohl kaum beim ersten mal ein schmackhaftes Menü zaubern
2) Quelle 1 Seite 114
 
ernaehrung/nahrungsumstellung.txt · Zuletzt geändert: 08.06.2007 11:13 von feilchen
 
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